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Travel-Photo-Guide: Nordlichter fotografieren


Perfekte Nordlichtumgebung: Der Berg Kirkjufell in Island

Hier kommt unser Travel-Photo-Guide zum Thema "Nordlichter fotografieren" - ganz einfach in 17 Schritten zum perfekten Nordlicht Foto! 

Schritt 1: Versteht, was Nordlichter sind 

Nordlichter. Polarlichter. Aurora Borealis. All diese Namen bezeichnen ein Natur-Phänomen, das man mit Glück (oder einer akribischen Vorab-Planung) von Oktober bis März in der Nähe des Nordpols erleben kann, idealerweise dort, wo es wenig Umgebungslicht und klare Sicht gibt. Die Nordlichter können verschiedene Farben haben, am häufigsten sieht man grüne Polarlichter. Aber auch violett, rot, gelb & und blau sind möglich. Auch die Formen und die Bewegungen sind sehr unterschiedlich: Manchmal sind die Lichter sehr großflächig und färben den ganzen Himmel ein, manchmal erkennt man nur einen grauen Wolkenschleier. Wer sich genauer in die Wissenschaftlichen Fakten einlesen möchte, der kann das hier tun.

Schritt 2: Findet heraus wo ihr Nordlichter finden könnt 

  • Nordlicht-Check Island: Hier
  • Nordlicht-Check Alaska: Hier
  • Nordlicht-Check Norwegen: Hier (Hier könnt ihr euch sogar die passende App herunterladen) 

Am erfolgreichsten und intensivstem sind aus unserer Perspektive die Sichtungen in Nord-Lappland. 

Schritt 3: ZIEH.DICH.WARM.AN.

Die Wahrheit ist: Überall da, wo man Nordlichter sehen kann ist es in der Regel wirklich arschkalt. Und damit meinen wir nicht Deutschland-Winterjacken-Kalt, sondern Temperaturen von - 2 Grad (Auf den Lofoten) bis zu -20 Grad (Lappland) Das heißt, dass richtige Outfit kann darüber entscheiden ob eure Nordlicht-Jagd erfolgreich wird oder nicht. 

Wer in den kalten Nächten des nordischen Winters lange genug ausharren will, um eine gute Show zu erleben, muss sich warm halten. Stellt euch vor, ihr kommt in den Genuss des perfekten Nordlicht-Spektakels, könnt es aber überhaupt nicht genießen, weil euch die Gliedmaße absterben. Das wäre blöd. Das richtige Outfit besteht daher aus zahlreichen Lagen: Thermounterwäsche, Kleidung aus Wolle oder Synthetik, Daunenjacken sowie wind- und wasserdichte Außenschichten sind ein Muss, damit ihr auch vor unvorhergesehenen Wetterumschwüngen geschützt seid. Da eure Gliedmaßen am Absterb-Anfälligsten sind, solltet ihr auf die Socken, Schuhe & Handschuhe besonders viel Wert legen.

Wer seinen ultimativen Nordlicht Trip noch angenehmer gestalten möchte, dem seien folgende Extra-Gadgets empfohlen: 

Schritt 4: Packt die richtige Kamera ein 

Wenn die Nordlichter sehr stark sind (Level 5), können sie tatsächlich auch mit dem Smartphone festgehalten werden - verlassen würden wir uns darauf aber eher nicht. ;-) Deswegen gehört auf jeden Fall eine Kamera ins Gepäck bei der man im M-Modus alle Einstellungen ( ISO, Blende, Belichtungszeit) selber treffen kann. OB das dann ein neues oder altes, teures oder günstiges Exemplar ist, ist tatsächlich nebensächlich: Die Nordlichter könnt ihr mit allen Modellen schön einfangen. 

Schritt 5: Packt das richtige Objektiv ein 

Das perfekte Objektiv für die Nordlichtfotografie ist ein Weitwinkel-oder sogar Ultraweitwinkelojektiv. ( Brennweitenbereich 8 - 24mm ) Je nach Stil kann auch ein Fish-Eye-Objektiv interessante Ergebnisse liefern. Neben der Brennweite ist die Lichtstärke ein entscheidender Faktor. Hier sind Objektive mit einer Offenblende von mind. 2,8 zu bevorzugen. Kurz: Je lichtstärker, desto besser. 

Schritt 6: Packt ein Stativ ein

Wenn ihr Nordlichter fotografiert arbeitet ihr mit einer langen Belichtungszeit, die weit über dem Kehrwert der Brennweite liegt (bis zu diesem könnt ihr aus der Hand fotografieren) - daher müsst ihr die Kamera auf ein Stativ stellen um scharfe/verwacklungsfreie Bilder zu erhalten. Natürlich könnt ihr sie auch anderweitig "auflegen" - z.B. auf ein Stativkissen oder euer Autodach. Extratipp: Schaumstoffbeine! Wer schon mal Metall bei - 10 Grad angefasst hat, weiß warum.;-) Um ohne Verwacklung auslösen zu können empfehlen wir euch außerdem einen Fernauslöser einzupacken. Solltet ihr den vergessen haben, geht aber auch der kamerainterne Selbstauslöser.  Ganz wichtig beim Einsatz eines Stativs: Sollte euer Objektiv einen Stabilisator haben, solltet ihr diesen jetzt ausschalten. 

Schritt 7: Achtet auf gelandene Akkus

Klingt nach einer Selbstverständlichkeit, wird aber häufig unterschätzt. Bei Temperaturen von bis zu -20 Grad entladen sich die Akkus viel schneller als im normalen Fotografen-Alltag, daher raten wir euch direkt einen Haufen Ersatzakkus einzupacken.

Schritt 8: Fotografiert im RAW-Format 

Um im Nachhinein das Beste aus euren Bildern herausholen zu können, solltet ihr sie im RAW Format aufnehmen. Im Gegensatz zum JPEG Format bleiben im RAW Format alle Bildinformationen erhalten und stehen einem Bearbeitungsprogramm (wie z.B. Adobe Lightroom) zur Verfügung.

Schritt 9: Wählt die richtige Blende 

Jetzt gehts an die richtigen Kameraeinstellungen! Nordlichter fotografieren wir mit einer möglichst offenen Blende - also der Offenblende. Zur Erinnerung: Je niedriger die Zahl, desto offener die Blende, desto mehr Licht. 

  • Offene Blenden: 1,4 / 1,6 / 1,8 / 2,0 / 2,8 / 3,2
  • Geschlossene Blenden: 7,1 / 9 / 11 / 16 

Der Vorteil einer offenen Blende ist, dass ihr so eine kürzere Belichtungszeit realisieren könnt. Diese wiederum ist wichtig um die Struktur der Lichter auf dem Foto zu erhalten, bzw. im Falle eines "tanzenden" Polarlichts zu verhindern, dass das Bild nur weich & matschig aussieht. 

Schritt 10: Wählt die richtige Belichtungszeit 

Die Belichtungszeit kann immer ein bisschen variieren, je nach dem wie viel 

  • Umgebungslicht sichtbar ist und/oder
  • welches Level die Nordlichter haben und/oder
  • wie schnell sich die Lichter bewegen und/oder
  • wie lichtstark euer Objektiv ist 

In jedem Fall handelt es sich um eine Langzeitbelichtung mit einer Zeitwahl von über 2 Sekunden. In den meisten Fällen werdet ihr mit einer Belichtungszeit von 2-10 Sekunden die besten Ergebnisse erzielen. Am besten ihr testet euch einfach durch und findet für euer Setting die passende Einstellung. 

Tipp für schnelle Lichter: Bewegen sich die Lichter sehr stark, solltet ihr eine eher kurze Belichtungszeit wählen, da sie ansonsten "verschwimmen" können. Ihr könnt hier bei 1/2 Sekunde anfangen - bei einem lichtstarken Objektiv kann das bereits reichen. Wer es ganz korrekt machen möchte, schaltet zusätzlich noch die Spiegelvorauslösung ein und reduziert damit eine weitere Wackelgefahr. 

Schritt 11: Passt die ISO an

Wir erinnern uns: Die ISO ist die "Krücke" unter den Einstellmöglichkeiten! D.h. wir versuchen immer zuerst ausreichend Licht über Belichtungszeit & Blende zu ziehen und erst wenn hier unsere Möglichkeiten ausgeschöpft sind, bedienen wir uns der ISO. Denn: Je höher die ISO, desto auffälliger das Bildrauschen. Wenn ihr die vorangegangenen Einstellungen für Blende/Belichtung berücksichtigt, werdet ihr gut mit einer ISO von 400 - 3200 arbeiten können. 

Schritt 12: Findet den korrekten Fokus 

Wenn ihr Nordlichter fotografieren wollt, ist es in der Regel stockdunkel und der Auto-Fokus eurer Kamera wird von alleine keinen Orientierungspunkt finden um das Bild scharf zu stellen, d.h. hier müsst ihr der Kamera helfen korrekt zu fokussieren. Konkret bedeutet das:

  • Schaltet den Autofokus aus
  • Sucht euch einen hellen Bezugspunkt (Mond, Sterne, Bergkette) 
  • Stellt mit Hilfe des Fokusrades manuell auf diesen Punkt scharf 
  • Macht eine Testaufnahme und zoomt so weit wir möglich ins Bild rein um die Schärfe zu prüfen - that´s it! 

Schritt 13: Testet & speichert eure Einstellungen im Warmen

Wenn ihr noch unsicher im Umgang mit dem M-Modus eurer Kamera seid, dann testet die Einstellmöglichkeiten unbedingt schon vorab in einer warmen & entspannten Umgebung. Die meisten Kameras bieten auch die Möglichkeit ein Einstellung Set-Up abzuspeichern (z.B. Blende 2,8 / Belichtungszeit 10 sek / ISO 1600 ) Vor Ort kann man dann von diesen Orientierungswerten aus mit den Gegebenheiten "arbeiten". 

Schritt 14: Wählt eine schöne Bildkomposition

Auch wenn der für euch wichtigste Teil des Bildes im Himmel liegt: Ein Bild von lustig tanzenden Nordlichtern wird erst dann interessant, wenn dieser Himmel Teil einer Landschaft ist. Folgende Settings sind besonders reizvoll: 

  • Bringt eine Person ins Spiel, die als Silhouette sichtbar ist - oder auch zwei 
  • Findet einen landschaftlichen Bezugspunkt wie Häuser, Bäume, Berge
  • Sucht einen Ort mit wenig Lichtverschmutzung, damit die Silhouetten auch wirklich schwarz und nicht vom Restlicht angestrahlt sind 
  • Richtet die Kamera nach dem Horizont aus 

Schritt 15: Seid geduldig

Nordlicht-Gucken ist keine Kinovorstellung für die ihr 20:30 Uhr Tickets kaufen könnt. Stattdessen kann es euch passieren, dass die Lichter nur kurz erscheinen, verschwinden, zu schwach sind oder einfach gar nicht auftauchen. Bevor ihr jetzt das Stativ in den Schnee steckt, müsst ihr geduldig sein. Manchmal verschiebt sich das Phänomen einfach um ein paar Stunden und ein bisschen Warten wird reich belohnt. (Wie gut es jetzt wäre den heißen Stuhl und die Teekanne zuhaben, oder?^^)  Und manchmal - da sind wir ehrlich - passiert trotz Warten gar nichts. Aber auch dann können wir euch nur raten: Einfach weiter versuchen. Neue Nacht. Neue Chance. Es lohnt sich! 

Schritt 16: Seid nicht enttäuscht, sondern vertraut der Kamera

Wenn ihr zum ersten Mal Nordlichter seht, könnte es sein, dass ihr am Ende des Tages enttäuscht seid wenn sie auftauchen - denn: Nicht alle Lichter sind so spektakulär grün/violett/gelb wie sie auf allen Bildern immer gezeigt werden! Tatsächlich wirklichen schwache Lichter sogar gräulich (insbesondere. für Personen mit einer Nachtsicht-Schwäche). Es kann also sein, dass sich hinter einer langgezogenen gräulichen Wolke eine Aurora des Levels 1-2 verbirgt. Das Verrückte daran: Das fertige Bild auf eurer Kamera wird die Farben trotzdem zeigen! Also einfach schnell ein Testfoto machen. 

Schritt 17: Bearbeite deine Bilder in Adobe Lightroom

Ihr habt es geschafft: Auf eurer Speicherkarte befinden sich einige tolle Aufnahmen der Lichter und ihr möchtet nun das Beste aus Ihnen herausholen. Wir empfehlen euch generell das Programm Adobe Lightroom - für uns das beste Programm für die Bildbearbeitung auf einer Ebene. Bevor ihr jetzt anfangt die Sättigung wahllos hochzudrehen denkt immer daran, das in der Bearbeitung das Motto gelten sollte: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Im Fall der Nordlichter empfehlen wir euch:

  • die Belichtung zu korrigieren 
  • das Rauschen zu entfernen
  • ggf. die Funktion "Dunst entfernen" nutzen, sollte es an eurem Tag etwas diesig gewesen sein

Nordlichter fotografieren

Wir wünschen euch viel Erfolg beim Lichter-Erwischen und freuen uns über eure (Erfolgs-) Geschichten in den Kommentaren! 

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